Gedichte

Dich lieben wie

Die weisse Wolke

Über den Mond gleitet

Ihn nicht verdeckt

Und doch mit

Den Zeichnungen

In ihm spielt

Konturen in

Einander fliessen

Den Lustgarten in

Dir spriessen lässt





Bernhard Brack, unveröffentlicht





Heute Morgen, Geliebte

war ich als Staubjäger

unterwegs: Ich jagte ihn

unter deinem Bett auf

den Leisten um dein

Nachttischlein auf dem

Kasten fing ich ihn

und musste lachen

bei dem Gedanken

dass ich nicht mehr

als eine Staubsäule bin

die Staubkörner zu mir

eilen als meine Verwandte

Stammeshalter vor und

nach mir – nur das

Lachen das herzhafte

Lachen – ich weiss nicht

ob sie das auch können





Bernhard Brack, unveröffentlicht





Wilde Nächte – Wilde Nächte!

Wär ich bei dir

Welch wilde Nächte

Durchlebten wir!





Nutzlos – die Winde –

Für ein Herz im Hafen –

Schluss mit dem Kompass –

Schluss mit den Karten!





Rudern in Eden –

Ah, das Meer!

Nur ankern noch – Heut Nacht –

In Dir!





Emily Dickinson





Besançon, café du théâtre

Ein Sonnenstrahl fällt

Durch Häuserecken auf ein

Schmiedeeisernes Geländer

Wandert mit jedem Schluck

Wein jedem Bissen chèvre chaud

Verschwindet und bleibt doch

Als unsichtbare Sonnenuhr

Der Maurer und Schmiede

Der Bewohner von damals

Da erzählst du mir die Geschichte

Vom König der einen treffsicheren

Schützen suchte um ihn vor Angriffen

Verletzter Wildschweine zu schützen

Bei einem Ritt durch den Wald

Entdeckten er und sein Gefolge

Pfeile die immer genau in der

Mitte der Zielscheibe steckten                                        

„Bringt mir diesen Schützen“

Rief der König





Es war ein Junge

Der auf die Frage

Wie er es zu solcher Meisterschaft

Gebracht habe antwortete:

„Ich schiesse zuerst den Pfeil

Male dann die Zielscheibe“





Arm in Arm gehen wir                                                       

Zurück in unser Hotel

Genau du genau ich





Bernhard Brack, Liebe, Lust und Langezeit, IL-Verlag Basel





Im Hotelzimmer

Nach der Liebe

Eine Fliege

Auf der Nasen

Spitze wechselt

Ihre Sitze

Jetzt am Ohr

Kitzelt sie und

Spitzelt Liebes

Nachspiel uns ins

Vorspiel: Tor!





Bernhard Brack, Liebe, Lust und Langezeit, IL-Verlag Basel