Neben der Türe

Das Lächeln der Schaffnerin
gleitet über das Zugfenster,
verschwindet hinter Bergen.

Der Rhein, der gestern noch
Schneeklumpen talwärts trieb,
spiegelt Föhnhimmelblau.

Über den Fluss hinweg
im Unterholz am anderen Ufer
ein spiegelndes Gesicht.

Tochter einer Mutter aus dem „Daig“,
abgeschoben in ein Waisenhaus
mit dem Makel unehelich zu sein,

blieb ihr der Eingang
mit der goldenen Plaquette
neben der Türe verschlossen.

Oder die andere Frau,
die nicht weiss woher,
die Leere am Mittagstisch.

Nur Geschwätz und das Motto
ihrer Mutter:
Wir hatten es viel schlechter als ihr.

Das Rattern des Zuges hält inne.
Hinter den Bergen brütet jemand
eine namenlose Liebe aus.